Spiritualität

Ziel
Der
Kartäuserorden wurde "zum Lobe der Herrlichkeit Gottes" gegründet.
Die Verherrlichung Gottes aber besteht darin, dass Gott uns "in
inniger Liebe mit sich vereinigt" und wir auf diese Weise reiche
Frucht bringen (vgl. Joh. 15,8). Das ist das Ziel alles christlichen
Lebens; die Eigenheit unseres Ordens aber besteht darin, dass wir
außerdem kein anders Ziel haben. Die ganze Lebensordnung in der
Kartause ist auf dieses eine Ziel hingeordnet, damit wir "in unserem
inneren Menschen Gott selbst eifriger suchen, schneller finden und
vollkommener besitzen" und so "zur Vollkommenheit der Liebe"
gelangen (Stat. 1,4). Deshalb verzichten wir auf alles, was nicht zu
diesem allein Notwendigen führt.
Trennung von der Welt
"Da unser Orden gänzlich auf die
Beschauung hingeordnet ist, müssen wir unsere Trennung von der Welt
überaus gewissenhaft wahren. Daher sind wir von jedem
seelsorgerischen Dienst befreit, um im geheimnisvollen Leib Christi
unsere eigene Aufgabe erfüllen zu können, mag auch die Notwendigkeit
des tätigen Apostolates noch so drängen" (Stat.3,9).
Gebet
Wir kennen keine eigenen
Gebetsmethoden, Techniken oder Rezepte; der einzige Weg ist Jesus
Christus. Im kontemplativen Leben ist es nicht so wichtig, was wir
tun, sondern was Gott in uns wirkt. Unsere Aufgabe besteht lediglich
darin, unsere Sehnsucht von allem zu reinigen, was nicht Gott ist,
uns daran zu gewöhnen, "den göttlichen Gast durch alle seine Türen
und auf allen seinen Wegen eintreten zu lassen" (Stat. 4,2) und ihm
zu gestatten, dass Er uns so liebt, wie Er es will.
Freiheit
Die heilige Freiheit ist ein
charakteristisches Merkmal unserer Berufung. Die Ordensregel
schreibt außer der heiligen Liturgie nur wenige mündliche Gebete
oder Andachtsübungen vor, damit jeder unter der Führung des Heiligen
Geistes und mit Hilfe des Vorgesetzten oder des geistlichen Leiters
die ihm angemessenen Mittel, die ihn am ehesten dem Ziel näher
bringen, frei wählen kann. Was ihn hindert oder auch nur unnütz ist,
soll er lassen, wenn es auch in sich noch so gut und heilig ist.
Gehorsam
Das größte Hindernis bei der Suche
nach Gott ist sicherlich unser Eigenwille, das "Ich". Wir versuchen
dieses "Ich" hinzuopfern mit Hilfe des Gehorsams. Dieser Gehorsam
muss sich, wenn er vollkommen sein will, sogar auf das eigene Urteil
ausdehnen . Eine solche radikale Selbstentleerung ermöglicht es uns,
dass wir uns mit der Einfachheit und Ungezwungenheit eines Kindes
dem Wirken des Heiligen Geistes öffnen. Gleichzeitig erlöst sie uns
von allen Ursachen der Unruhe, ungeordneter Traurigkeit und Sorge um
sich selbst.
Glaube
Unser Leben vollzieht sich im Dunkel
und im Licht des Glaubens. In der Einsamkeit können wir eintreten in
die Tiefe unseres Glaubens, den wir von der Kirche empfangen haben.
Das Dunkel des Glaubens wandelt sich mit der Zeit in das Licht des
Glaubens. Wir sehen nicht, was wir glauben, aber der Inhalt des
Glaubens wird uns so gegenwärtig, dass wir aus ihm leben können.
Wenn wir uns allem entsagen, was nicht mit dem Glauben
übereinstimmt, erkennen wir die Tiefe und den Glanz dessen, was in
unseren Herzen lebt.
Freude
"Welchen Gewinn und göttlichen Genuss
die Einsamkeit und das Schweigen der Einöde denen bereiten, die sie
lieben, wissen nur, die es erfahren haben. Denn hier können mutige
Männer, sooft sie es wünschen, bei sich Einkehr halten und
verweilen, mit Fleiß die Tugendkeime pflegen und glücklich von den
Früchten des Paradieses essen. Hier sucht man jenes Auge, dessen
leuchtender Blick das Herz des Bräutigams verwundet, in jener Liebe,
deren klare Reinheit Gott schaut. Hier lebt man in einer Muße voller
Tatkraft und verharrt in einer Tätigkeit voller Ruhe. Hier verleiht
Gott seinen Streitern den ersehnten Lohn: den Frieden, den die Welt
nicht kennt, und die Freude im Heiligen Geist" (Heiliger Bruno,
Gründer des Kartäuserordens).